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Nous sommes eine glückliche Familia

Wenn ein Kind kommt, ändert sich alles, sagen viele Mütter und Väter. Der kleine Mensch muss sich erst einfinden, aber auch unser Miteinander will neu geordnet werden. Da lernt man sich noch mal ganz anders kennen. Wir treffen ein Paar, das diesen Zauber zum zweiten Mal erlebt. Protokolle: Raffael Fritz, Mara Simperler Fotos: Christoph Liebentritt. Für Werde Magazin

Die Eltern

Jean-Sébastien Philippe, 33, ist in Saint Cloud bei Paris geboren. Er hat Controlling studiert und als Wirtschaftsprüfer gearbeitet – bis die Begegnung mit Jana sein Leben auf den Kopf stellte

Jana Balluch, 29, kommt aus einem künstlerischen Elternhaus in Salzburg. Die studierte Grafikdesignerin schafft seit 2008 gemeinsam mit Jean-Sébastian Stencil-Kunstwerke

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Noch drei Wochen und die große Frage: Wie wird es diesmal sein? Die Österreicherin Jana Balluch und der Franzose Jean-Sébastien Philippe werden wieder Eltern. Léo-Paul, zwei Jahre, wird großer Bruder. Seit kurzem lebt die Familie in der Nähe von Salzburg. Im benachbarten Laufen, gleich hinter der deutschen Grenze, liegt das Atelier des Künstler-Duos. Aber dorthin fährt JS, wie Jana ihn nennt, so kurz vor der Geburt meist allein. Eine Ausstellung in Frankreich steht an. Aber eben auch die Ankunft eines neuen Familienmitglieds. Wie war das noch bei der ersten Geburt? Was wird sich diesmal ändern?

Jana: Ich könnte noch zwei Jahre schwanger sein. Ich habe die erste Schwangerschaft so genossen und diese genieße ich auch, aber sie geht ein bisschen unter. Alles läuft nebenbei mit. Ich fange erst jetzt, knapp drei Wochen vor der Geburt an, mich darauf einzustellen. Wir sind vor zwei Monaten hier eingezogen und ich möchte mich mehr mit dem Baby beschäftigen, aber wir finden irgendwie keine Zeit. Das war bei meiner ersten Schwangerschaft noch anders. Als ich damals erfahren habe, dass ich schwanger bin, hatten wir bis fünf in der Früh gearbeitet. Für mich war die Gewissheit erst einmal ein Schock auch im positiven Sinne. Wir wollten ein Kind, aber als wir es erfahren haben, war es einfach so real. An Schlaf war nicht zu denken. Ich hab geheult. Und ich wusste, dass unser Leben ab diesem Moment komplett anders sein würde.

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Jean-Sébastien: Dass wir ein Kind wollten, war immer klar. Geplant war es nicht, aber unser ganzes Leben ist nie richtig geplant. Wir haben Zeiten, in denen alles super läuft, und Zeiten, wo es schwieriger ist mit dem Geld und unseren Projekten, eigentlich normal für Künstler. Als wir erfahren haben, dass wir unser erstes Baby kriegen, war es eine schwierige Phase. Wir hatten Angst, weil wir nie wussten, ob wir das mit der Arbeit wirklich schaffen. Aber wir waren trotzdem sehr, sehr glücklich. Für uns ist das einfach die größte Sache, die wir zusammen machen können. Ich sage immer: Vater zu werden ist das Schönste, was passieren kann. Aber ich hätte nie gedacht, dass es so schwierig ist. Also alles, generell. Wenn du müde bist und dein Kind nicht schlafen will, dann kannst du eben nicht schlafen gehen. Und wenn du krank bist, musst du auch da sein. Es gibt einfach keine Pause.

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Jana: Wir haben damals eine ganze Ausstellung mit Léo-Paul im Tragetuch vorbereitet, es wurde dann unsere schönste. Mit einem Baby ist es anfangs leichter. Jetzt, wo er herumläuft und nicht mehr sitzen bleiben will, wird es kompliziert. Er ist ein sehr aktives Kind.

In Frankreich geben die meisten Eltern ihre Kinder mit drei, vier Monaten in die Betreuung. Die schaffen es, sich von ihrem Kind zu trennen. Ich will das nicht. Ich möchte so viel Zeit wie möglich mit meinem Kind verbringen. Das ist der Punkt, an dem JS und ich am meisten aneinandergeraten. Uns gelingt es selten, überhaupt fünf Minuten miteinander über die Arbeit zu reden oder Ideen zu finden. Meist sind wir abends so k.o., dass wir es nicht einmal dann schaffen.

Jean-Sébastien: Diese Angst, dass zu wenig Zeit für uns bleibt, kannte ich nicht bei der ersten Schwangerschaft. Jetzt habe ich sie, aber echt. Auch weil wir zusammen arbeiten. Ich gehe nicht zur Arbeit wie in ein Büro. Ich habe den Abstand nicht. Zurzeit gehe ich oftmals nicht ins Atelier und bin mehr zu Hause bei meiner Familie. Aber demnächst haben wir eine Ausstellung in Lille, für die wir noch viele Bilder machen müssen. Das bedeutet dann doch wieder: mehr Atelier-Zeit.

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Jana: Ich wollte noch so viel wie möglich während der Schwangerschaft schaffen, herumreisen und Sachen machen, die mit zwei Kindern nur komplizierter würden. Im Mai waren wir also in Paris, dann in Belgien und dann in Wien und haben jeweils eine riesige Wand gesprüht. Da haben wir gemerkt, das ist wahrscheinlich das letzte Mal, dass wir so etwas mit Kind machen. Für so große Projekte unterwegs zu sein, ist wirklich anstrengend, auch für Léo-Paul.

Jean-Sébastien: Bei Léo-Paul weiß ich noch genau, wann und wo ich von der Schwangerschaft erfahren habe. Alles war eine Premiere. Ich erinnere mich allerdings auch gut an die erste Ultraschalluntersuchungen dieser zweiten Schwangerschaft. Léo-Paul war bei dem Termin dabei und war außer sich. Er hat so geweint und geschrien. Es ist anders beim zweiten Kind. Aber trotzdem wunderschön.

Jana: Wir haben uns in Madrid kennengelernt. Dort haben wir zu acht in einer riesigen Wohnung gewohnt. Am Anfang haben wir beide uns ignoriert. JS war der Seriöse, der immer in Anzug und Krawatte dahergekommen ist. Ich hatte einen abgebrochenen Au-Pair-Einsatz hinter mir und habe damals im Hardrock Café gearbeitet.

Jean-Sébastien: Ich weiß auch nicht, warum wir nicht miteinander geredet haben. Sie war für mich so ein großes mystère. Ich dachte immer, die Kellner im Hardrock Café müssten prominent sein. Und damals hatte ich ein ganz normales Leben, habe Wirtschaft studiert, bin jeden Tag im Anzug zur Arbeit gegangen – und sie war eben ein bisschen crazy.

Jana: Einmal sind wir alle gemeinsam ausgegangen, in eine Disko. JS und ich haben uns geküsst und dann waren wir zusammen. Er kann sich an nichts mehr erinnern, er war so rauschig. Von da an haben wir angefangen, miteinander zu reden. Bis heute in einer Mischung aus Spanisch, Deutsch und Französisch. Wir haben uns eigentlich geschworen, wenn das erste Kind kommt, hören wir damit auf. Aber es ist eben unsere eigene Sprache.

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Jean-Sébastien: In Madrid habe ich auf der Straße viele Stencils gesehen, also Graffiti, die über Schablonen gesprayt werden. Diese Technik ist super für mich, denn ich kann nicht besonders gut zeichnen, aber ich wollte immer etwas Kreatives machen. Irgendwann haben wir versucht, meine Architektur-Stencils mit Janas Poträt-Fotografien zu verbinden. Das hatte Sinn: Wir repräsentieren die Leute in der Stadt, eine Mischung zwischen dem Humanen und der Architektur.

Jana: Ich habe immer gerne gezeichnet und fotografiert, damit bin ich groß geworden. Mein Papa ist Siebdrucker, meine Mama gelernte Lithografin, meine Schwester malt. Nach der Schule habe ich mit Kunstgeschichte begonnen, aber schließlich Grafikdesign studiert. Für mich war immer klar, dass ich etwas mit Kunst machen wollte. Aber es ist viel bereichernder, gemeinsam zu arbeiten. Auf die Sache mit den Stencils ist JS gekommen, ich habe ihn da nicht reingezogen.

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Jean-Sébastien: Jana hat mir gezeigt, was möglich ist. Für mich war das unvorstellbar, Künstler zu sein. Ich habe mein Studium fertig gemacht, einen Master in International Controlling, dann zwei Jahre als Wirtschaftsprüfer gearbeitet. Aber am Wochenende habe ich Kunst gemacht, so richtig als illegaler Sprayer. Erst als wir 2008 nach Österreich gekommen sind, kam mir der Gedanke, daraus meinen Job zu machen. Ich habe nicht gut Deutsch gesprochen, und ich wollte auch nicht mehr Wirtschaftsprüfer sein. Also haben wir gesagt, probieren wir, von der Kunst zu leben. Und bis jetzt haben wir es geschafft.

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Jana: In unserem Beruf ist man flexibel. Léo-Paul kann den ganzen Tag mit uns verbringen. Es hat mich am Anfang beunruhigt, dass wir kein fixes Einkommen haben. Seitdem ich ein Kind habe, denke ich mehr an Sicherheiten. Für mich hat Geld nie so eine große Rolle gespielt. Aber ich bin selbst in einer Familie aufgewachsen, wo wir aufs Geld schauen mussten.

Jean-Sébastien: Ich grübele nicht, mache mir nicht ständig Sorgen. Dafür macht Jana sich Sorgen für zwei. Ich bin optimistisch, dass wir für alles eine Lösung finden. Ich habe etwas studiert, und dann habe ich mein Leben komplett geändert. Wenn das mit der Kunst irgendwann nicht mehr funktioniert, muss ich das eben nochmal machen, das wäre auch kein Weltuntergang.

Jana: Im dritten Monat der Schwangerschaft war ich müde und ein bisschen verrückt. Ich habe wegen der kleinsten Dinge geweint. Einmal wollte ich bei McDonald‘s ein Eis mit M&M‘s kaufen, aber es gab nur eines mit Smarties. Der Verkäufer hat gemeint, es schmecke genau gleich. Ich habe das nicht geglaubt, das Eis aber trotzdem gekauft. Natürlich hat es nicht gleich geschmeckt – und ich habe begonnen zu weinen. JS war dann so nett, fitzelte alle Smarties raus, kaufte M&M‘s, zerdrückte sie und mischte sie ins Eis, damit es genau das ist, was ich mir vorgestellt hatte. Er schaut immer, dass es mir gut geht. Er nimmt mir alle Zweifel, steht immer stark hinter uns. Nur die Schmerzen bei der Geburt kann er mir nicht abnehmen.

Jean-Sébastien: Jetzt, am Ende der Schwangerschaft, ist Jana oft müde und ich muss gleichzeitig arbeiten und möchte ihr auch mit Léo-Paul helfen. Aber ich war zum Glück schon immer so: Einfach auf der Couch liegen, das mag ich nicht.

Jana: Wir haben weniger Zeit füreinander. Obwohl wir die ganze Zeit aufeinander kleben, gemeinsam arbeiten und wohnen. Wenn uns dann mal meine Mama Léo-Paul abnimmt, damit wir uns einen schönen Tag machen können, können wir das zurzeit gar nicht. Da wollen wir nur miteinander arbeiten.

Jean-Sébastien: Manchmal merkt Léo-Paul genau, dass eine gewisse Spannung in der Luft liegt, etwa wenn wir dringend über ein Projekt reden müssen. Und genau dann braucht er Aufmerksamkeit, fängt an zu weinen und ich werde immer nervöser, weil unsere Arbeit nicht voran geht. Aber ich bin schon viel geduldiger geworden. Zuerst durch Jana – und durch Léo-Paul noch mehr. Man muss sich manchmal einfach Zeit lassen.

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Jana: Freunde uns Bekannte von uns, die auch Kinder haben, sagen immer: „Es ist alles wunderbar, das Kind schläft durch.“ Wir waren die einzigen, die immer gesagt haben, wir sind überfordert. Ich frage mich, ob es nur bei uns kompliziert ist oder ob die anderen das einfach nicht erzählen? Léo-Paul ist extrem aufgeweckt, er mag nicht lang schlafen, er will entdecken, ist voll im Leben, das ist toll und anstrengend zugleich, eben schwer unter einen Hut zu bekommen.

Jean-Sébastien: Jetzt, drei Wochen vor der Geburt, müssen wir mehr schlafen. Denn wir wissen ja: Wenn das zweite Kind so aktiv wird wie Léo-Paul, dann wird es richtig arg. Aber ich freue mich auch schon darauf. Uns ist wichtig, dass ein paar Sachen eine Überraschung bleiben. Wir kennen viele Leute, die sich schon im zweiten Monat einen Namen für ihr Kind überlegt haben und ihn allen erzählen. Wir wollen das nicht. Auch bei Léo-Paul haben wir bis zur Geburt nicht gewusst, ob es ein Bub oder ein Mädchen wird. Und den Namen haben wir davor nur unseren Eltern gesagt, sonst niemandem. Bei der ersten Schwangerschaft war mir nicht wichtig, was es wird. Aber diesmal wäre es schön, wenn es ein Mädchen wird.

Als wir das nächste Mal zu Besuch kommen, ist die Familie zu viert. Drei Wochen zuvor haben Jana und JS ihr zweites Kind bekommen. Auf dem Wohnzimmertisch liegen Karten, die sie an ihre Familie und Freunde verschicken: „Nous sommes eine glückliche Familia“ steht darauf.

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Jana: Am Abend vor der Geburt bin ich mit meiner Schwester und einem Haufen Nelkenpulver in einem winzigen Auto gesteckt. Es hat wahnsinnig gestunken. Ich hatte mir nichts dabei gedacht. Später habe ich recherchiert und erfahren: Hebammen verwenden Nelkenpulver im Härtefall, um eine Geburt einzuleiten. Ich hatte in der Woche davor schon so oft Wehen, aber immer war es falscher Alarm. Als wir an diesem Abend im Bett gelegen sind, hat JS zu mir gesagt: „Komisch, jetzt ist alles ruhig.“ Fünf Minuten darauf ist es losgegangen.

Jean-Sébastien: Das war eine komische Situation. Wir liegen wach im Bett, bei Jana beginnen die Wehen, und auf einmal kommt Léo-Paul herein und will spielen und nicht mehr schlafen. In den letzten Monaten ist er nie in der Nacht munter geworden. Aber an diesem Tag stand er auf einmal bei uns am Bett. Als hätte er geahnt, dass etwas passiert.

 

Jana: Die Wehen sind alle zehn Minuten gekommen. Ich habe meine Mama angerufen, um sie vorzuwarnen, und sie ist gekommen, um auf Léo-Paul aufzupassen. Dann sind wir ins Krankenhaus gefahren. Und plötzlich habe ich keine einzige Wehe mehr gehabt. Die Hebamme wollte JS schon heimschicken, aber weil es so ein weiter Weg ist, haben wir noch gewartet. Sie hat gesagt: „Entweder Sie gehen herum und leiten dadurch die Geburt ein oder Sie rasten noch ein wenig und sammeln Kräfte.“ Und nachdem ich eine halbe Stunde da gelegen bin, war es soweit. JS war wieder ganz gelassen und hat seine Kekse gegessen.

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Jean-Sébastien: Ob ich aufgeregt war? Sowieso. Aber dieses Mal ist alles so schnell gegangen. So etwa um fünf hat Jana starke Wehen bekommen und um viertel vor sieben war unser Baby da. Ich weiß, es ist komisch, das zu sagen, aber ich habe fast keine Zeit gehabt, es zu genießen. Jana sieht das sicher anders.

Jana: Die Schmerzen beginnen im Bauch. Ein Ziehen, zehnmal schlimmer als Regelschmerzen. Dann kommt der Rücken hinzu und schließlich sind die Schmerzen überall. Ich habe versucht, den Schmerz wegzuatmen. Man fühlt sich so verloren, weil man nicht genau weiß, was mit dem Körper passiert. Ich hatte alles vergessen, was ich zuvor gelesen oder bei der ersten Geburt erlebt hatte. Mein Glück war eine junge Hebamme, die mir alles Schritt für Schritt erklärt hat. Als die Presswehen kamen, ging dann alles recht schnell. Ich habe noch mit der Hebamme gewettet, was es wird. Sie hat gesagt: „Es wird ein Mädchen.“ Ich wollte wetten, dass es ein Bub wird, aber in diesem Moment ist das Baby gekommen. Da konnte ich nicht mehr reden.

 

Am 23. Juli, um 6.44 war ich dann zum zweiten Mal Mutter. Das Baby lag auf mir und ich war einfach nur glücklich. Ich habe es angesehen und mir gedacht, das sieht aus wie ein Bub. Die Hebamme hat gesagt: „Der Papa darf nachschauen.“ JS hat also geguckt und lange geschwiegen. Und dann hat er gesagt: „Une fille.“ Ein Mädchen.

Jean-Sébastien: Wenn es ein Mädchen wird, wollte ich immer, dass sie Lotte heißt. Aber Jana war sich nicht sicher. Also haben wir gesagt, schauen wir, wie sie ausschaut und dann sagen wir, ob sie eine Lotte ist. Und als Jana mich dann gefragt hat, habe ich natürlich gesagt: „Klar, eine Lotte ist es.“

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Jana: An diesem Tag hat es geregnet und gestürmt. Aber während der Geburt war eine ganz ruhige Stimmung. Und auch vom Wesen her ist Lotte so, ruhig und gelassen.

Jean-Sébastien: Wir genießen dieses Familien-Gefühl. Wenn Léo-Paul in der Früh zu uns ins Bett kommt und wir sind zu viert im Schlafzimmer. Er will immer bei Lotte sein, wenn sie munter ist, ihr Bussis geben und mit ihr kuscheln. Die Beziehung zwischen den zweien ist super, wir hätten es uns nicht schöner erträumen können.

Jana: Seit wir Kinder haben, sind meine Gefühle für JS noch stärker. Aber wir waren immer schon extrem verliebt ineinander. Wir gehören einfach zusammen und jetzt haben wir auch gemeinsame Kinder. Wir fühlen uns richtig als Familie. Ich kann mich schon fast nicht mehr daran erinnern, wie es war, ohne Kind.

Jean-Sébastien: Ich liebe an Jana, dass sie so spontan ist. Sie will, dass unser Leben so offen wie möglich bleibt, auch jetzt mit den Kindern. Dass wir frei bleiben. Ich bin mit anderen Grundsätzen groß geworden: Man muss gut in der Schule sein, einen guten Job haben, das war am wichtigsten. Keine Frage, ob ich damit glücklich bin oder nicht. Seit zehn Jahren ist eine andere Frage am wichtigsten. Nämlich, ob wir alles machen, damit wir glücklich sind.

Jana: Wir versuchen, unser Leben mit Kindern wie vorher zu leben. Aber die Prioritäten liegen jetzt woanders. Unsere Kinder kommen an erster Stelle. Manche Freundschaften haben sich verändert. Wir werden seltener gefragt, ob wir gemeinsam etwas unternehmen wollen, weil alle davon aus- gehen, dass wir sowieso nicht können. Ich weiß auch nie, ob es denn Leuten auf die Nerven geht, wenn wir mit Kind kommen und ihm immer nachlaufen müssen, nie auf einem Fleck bleiben können. Früher sind wir in Frankreich gerne in eine Bar gegangen, haben dort den ganzen Tag gesessen und Kaffee getrunken. Das geht nicht mehr. Wir hatten auch nie eine Zeiteinteilung beim Arbeiten. Jetzt brauchen wir einen Plan.

Jean-Sébastien: Bis jetzt gibt es keine Probleme, weil alles so … es klingt vielleicht blöd, aber es ist alles so einfach. Ganz im Gegensatz zu den Sorgen, die wir uns gemacht haben. Vor der Geburt hätte ich sicher gesagt, dass wir kein weiteres Kind mehr bekommen. Jetzt ist es anders, es ist nämlich richtig schön, das Familienleben. Aber drei Kinder muss man sich gut überlegen. Das Ganze braucht Planung. Jetzt finde ich es noch ein bisschen früh, darüber nachzudenken. Und dann gibt es noch diese Gefahr, dass es Zwillinge werden. Ich habe zwei Brüder, die sind Zwillinge und die haben auch wieder Zwillinge bekommen.

Jana: Ob die Familie jetzt komplett ist? Während der Geburt dachte ich, dass ich das nicht noch ein drittes Mal durchstehe. Jetzt kann mir nicht vorstellen, dass es das letzte Kind war. Ich bin glücklich mit zwei Kindern. Trotzdem glaube ich, dass wir noch ein drittes kriegen.

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