Mit Supersense zelebrieren Florian Kaps, Andreas Höller und Nina Ugrinovich die analogen Künste im großen Stil.

Ein Fest für die Sinne

Mit Supersense zelebrieren Florian Kaps, Andreas Höller und Nina Ugrinovich die analogen Künste im großen Stil. Text: Martina Powell (erschien im Stilwerk Magazin 2/15)

Auf ihren letzten Metern wird die Praterstraße im Zweiten Wiener Gemeindebezirk immer ungemütlicher. Autos hupen, Billigboutiquen und Imbissstände reihen sich aneinander. Ausgerechnet hier, in der Nummer 70, befindet sich in einem alten herrschaftlichen Palazzo einer der schönsten und kuriosesten Orte Wiens: Supersense. Unter goldenem Stuck und gewaltigen Kronleuchtern lässt Florian Kaps, einer der Chefs hier, gerade Kaffee aus der Slayer, so etwas wie der Rolls-Royce unter den Espressomaschinen. Eigentlich arbeitet er nicht hinterm Tresen, sondern etwas weiter hinten, wo sich Supersense von einem gemütlichen Kaffeehaus im 50er-Jahre Look in eine Wunderkammer der analogen Künste verwandelt: In dem hallenartigen Raum sind in großen Glasvitrinen Plattenspieler, Super-8- und Polaroidkameras zu bewundern, auf einem antiken Sekretär stehen alte Kupferlampen zum Verkauf, mit den schwergewichtigen Handdruckmaschinen in einer Nische werden Visitenkarten und Co. gedruckt, zudem gibt es ein professionelles Aufnahmestudio für Vinyl. Nicht zu vergessen den „Record Elevator“, ein hölzerner Lift aus Jugendstilzeiten, in dem man für 15 Euro seine eigene Vinyl-Single aufnehmen kann.

Supersense, das ist Geschäft, Bar, Bühne, Werkstatt und lebendiges Museum in einem. „Ein Ort, der wirklich alle Sinne anspricht“, sagt Florian Kaps. Ganz neu im Sortiment ist das „Smell Memory Kit“, mit fünf Glasampullen für olfaktorische „Schnappschüsse“. Für Kaps und die beiden anderen Mitbegründer, Andreas Höller und Nina Ugrinovich, ist Supersense eine Herzensangelegenheit.

Begonnen hat alles vor über zehn Jahren bei der Lomographischen Gesellschaft, eine weltweit vernetzte Community, die sich der Analogfotografie verschrieben hat. Dort lernten sie sich kennen. „Damals hieß es, Polaroid stirbt bald aus. Das war für uns Grund genug, uns dieser alten Kunst anzunehmen“, erzählt Kaps. „Das Schöne an analogen Technologien ist ja, dass sie eine andere Qualität haben als das Digitale. Nichts ist normiert, man muss seine Persönlichkeit einbringen – und außerdem halten Vinyl oder ein Polaroidfoto viel länger als eine Datei auf dem USB-Stick.“

Aus der Faszination wurde bald ein lukratives Geschäft: Die drei begannen 2005 abgelaufene Polaroidfilme zu verkaufen, übernahmen später eine der letzten Polaroid-Fabriken in Holland. 2010 brachten sie dann ihren eigenen Sofortbild-Film auf den Markt – „The Impossible Project“ war geboren. Ein paar Jahre später lief das Geschäft so gut, dass eine neue Herausforderung her musste: „Wir wollten einen Ort gründen, wo man nicht nur das Sofortbild zelebriert, sondern auch all die anderen analogen Technologien unter ein Dach bringt.“ 2014 öffnete Supersense schließlich seine Tore, die Produktpalette wird ständig erweitert. „Das Spannende an diesem Ort ist, dass hier all diese Dinge ihre Geschichte erzählen können – und die Leute damit komplett aus der Bahn werfen.“

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