Das Freundschaftsparadox

In einsamen Stunden, wenn du ziellos in deinen Kontakten am Telefon blätterst oder dich durch soziale Netzwerke klickst, hast du vielleicht manchmal das Gefühl, dass deine Freunde irgendwie beliebter sind als du.

Oder wenn du dich ins Fitness-Studio schleppst: Da scheint es an manchen Tagen, dass alle Leute, die du dort triffst, viel besser in Form sind.

Und wenn du es trotz sozialer Unfähigkeit und sackartigem Körper doch irgendwie schaffst, eine Frau oder einen Mann rumzukriegen, musst du noch dazu feststellen, dass er oder sie im Bett viel erfahrener ist als du.

Bevor du dich damit tröstest, dass das alles nur mit selektiver Wahrnehmung zu tun hat – tut mir leid: Du bist wirklich so eine traurige Gestalt. Genauso wie ich und die meisten Leute um uns herum.

Unser aller Minderwertigkeit lässt sich sogar statistisch beweisen. Das hat der Soziologe Scott Feld 1991 getan und damit den Begriff „Freundschafts-Paradox“ geprägt.

Die Logik dahinter: Wenn jemand viele Freunde hat, dann ist die Chance größer, dass diese Person auch mit dir befreundet ist. Und umgekehrt ist die Wahrscheinlichkeit kleiner, dass du mit jemandem befreundet bist, der nur wenige Freunde hat. Sogar wenn du überdurchschnittlich viele Freundschaften schließt, tust du das eher mit Leuten, die ihrerseits noch mehr Freundschaften schließen. Das Ergebnis bleibt immer gleich: Deine Freunde haben im Schnitt mehr Freunde als du selbst. Alles klar?

Falls nicht, kannst du die traurige Wahrheit vielleicht am Beispiel Fitness-Studio erkennen: Natürlich siehst du dort mehr Leute, die trainierter sind als du. Diese Leute gehen schließlich öfter trainieren. Also ist die Chance höher, sie im Fitness-Studio anzutreffen. Ganz logisch, oder?

Beim Liebesspiel ist es wieder das gleiche Spiel: Was ist wahrscheinlicher – mit einem jungfräulichen Mauerblümchen im Bett zu landen oder mit einem sexbesessenen Hedonisten? Eben.

Wenn du dich also wieder mal minderwertig im Vergleich zu deinen Bekannten fühlst: Mach dir keinen Kopf – du bist es wirklich.

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