Foto: Simon Benjamin / Windish Agency

Kein Frühaufsteher: Taylor McFerrin

Multi-Instrumentalist, Beatboxer, Perfektionist: Taylor McFerrin möchte mehr, als sich nur auf seinen großen Namen zu verlassen. Der Sohn von Dirigent und Vokalkünstler Bobby McFerrin arbeitet in seinem Brooklyner Studio an der Zukunft des Soul. Anfang Juli war McFerrin mit seinem aktuellen Album Early Riser im Gepäck im Wiener Porgy & Bess zu Gast. Vor seinem Auftritt hatte er Zeit für ein kurzes Interview.

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(Foto: Simon Benjamin / Windish Agency)

 

 

Taylor, dein Debut-Album heißt Early Riser. Würdest du dich selbst als Frühaufsteher bezeichnen?

Nein, überhaupt nicht! (lacht) Ich bleibe immer sehr lange wach und stehe sehr spät auf. Das Album habe ich Early Riser genannt, weil die Musik zu diesem Gefühl am frühen Morgen passt – kurz bevor die Sonne aufgeht. Diese Tageszeit hat irgendwie eine positive Konnotation für mich.

Hast du auch manchmal frühmorgens an dem Album gearbeitet?

Ja, das ist vorgekommen. Aber nur, weil ich die ganze Nacht bis zum Sonnenaufgang dran gesessen bin.


Nach deiner ersten EP Broken Vibes im Jahr 2006 mussten wir ganze acht Jahre auf dein Debut-Album warten. Was hast du in der Zeit gemacht?

Ich habe in einigen Bands mitgespielt, die nicht sehr viele Leute kennen. Auf meiner Soundcloud-Seite kann man einiges davon anhören. Da war zum Beispiel die Band The Cell Theory, mit der ich das Album Memory Is Energy gemacht habe. Außerdem habe ich Beats produziert für den weiblichen MC TK Wonder. Dann war da noch die Gruppe The Heart Foundation … und genau, ich war außerdem Drummer und Keyboarder bei der Band RAHJ.

Es hat mir geholfen, in so vielen Bands zu sein, weil ich so alle möglichen Genres und Perspektiven kennen gelernt habe. Aber irgendwann war mir das alles zu viel und um 2011 herum habe ich mich entschieden, wieder als Solo-Künstler zu arbeiten. Von dort weg hat es etwa dreieinhalb Jahre gedauert, bis Early Riser fertig war.


Das ist immer noch ziemlich viel Zeit, um an einem Album zu arbeiten. Neigst du zu Perfektionismus?

Vielleicht ein bisschen. Es war mein erstes Album, also wollte ich alles selbst machen, vom Singen über die Drums und Keys bis zum Mixing. Nach ungefähr zwei Jahren habe ich mich von all dem überwältigt gefühlt, alles noch einmal umgeschmissen und von vorne angefangen. Im Nachhinein betrachtet war das ziemlich dumm, weil ich wieder bei Null war.

Der große Durchbruch ist erst gekommen, als ich mit dem Drummer Marcus Gilmore in Kontakt getreten bin, mit dem ich auch das Konzert heute Abend spiele. Er hat für ein paar Tracks die Drums eingespielt und das hat mir erst gezeigt, dass ich nicht alles alleine machen muss. Also habe ich noch ein paar andere Leute gefragt, ob sie mir beim einen oder anderen Song zur Hand gehen wollen, wie Nai Palm von Hiatus Kayote, Robert Glasper und natürlich meinen Vater. Dank ihnen waren die letzten sechs Monate vor dem Release so produktiv wie die drei Jahre davor.

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(Foto: Youtube-Still https://www.youtube.com/watch?v=sdt9OnZKxak)

Du bist als begnadeter Beatboxer bekannt. Werden wir heute Abend ein paar Beatboxings von dir hören oder überlässt du die Drums lieber deinem Kollegen Marcus Gilmore?

Um ehrlich zu sein, beatboxe ich nicht mehr besonders viel. Heute Abend werde ich vielleicht bei einer oder zwei Nummern Beatboxing machen. Ich war schon immer hauptsächlich ein Studio-Produzent, aber es ist schwierig, das auf eine Live-Performance zu übertragen.

Ich mag es nicht, auf der Bühne nur ein paar Knöpfe zu drücken und so zu tun, als wäre ich beschäftigt. Manchmal nutze ich einen meiner Songs als Basis für einen Live-Remix. Aber dann nehme ich nach und nach die vorgefertigten Elemente heraus und improvisiere neue dazu, bis kaum mehr etwas vom Original-Song übrig bleibt.


Also können wir uns heute Abend auf eine Menge Improvisation gefasst machen?

Absolut! Bei unserer derzeitigen Tour improvisieren wir fast ausschließlich und nehmen alles auf, damit wir es uns später in Ruhe anhören können. Selbst wenn wir nur einen guten Groove pro Abend finden, können wir ihn als Basis für einen Song verwenden und im Studio weiter daran arbeiten.

Könnte es sein, dass eine der Improvisationen, die wir heute im Porgy & Bess hören, auf deinem nächsten Album landet?

Ja, das ist der Plan. Es war sogar das Ziel der ganzen Tour. Manchmal haben Marcus und ich einen magischen Moment auf der Bühne, der vielleicht nur 20 Sekunden dauert, aber im Nachhinein kann ich aus diesen 20 Sekunden einen ganzen Song machen. Für heute Abend habe ich jedenfalls ein gutes Gefühl: Hiatus Kaiyote werden im Publikum sitzen, und auch mein guter Freund, der Jazzsänger José James, ist in der Stadt und kommt nach seinem eigenen Konzert noch hierher. Marcus und ich werden einfach versuchen, Spaß zu haben. Und hoffentlich kommen meine Freunde wirklich vorbei!

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Taylor McFerrin mit Fanboy. (Foto: Raphael Urban)

 

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